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Angst und Panikstörung
Gesunde Angst – Ungesunde Angst
Angst ist ein Schutz der Natur und ein überlebenswichtiges Gefühl, das uns vor Gefahren warnt und somit unser Überleben sichert. Sie ist ein Warnsystem, das uns schützt. Wird Angst aber unkontrollierbar und bestimmt die Gedanken, hat sie ihre ursprüngliche Funktion verloren. Dann spricht man von irrationalen Ängsten, die das Krankheitsbild einer Panikstörung oder auch Angststörung darstellen. Die ansonsten schützende, warnende Angst wirkt lähmend, nimmt den Alltag ein und ist nicht mehr gesund und sehr belastend. Tritt die Angst mit Panikattacken auf, spricht man von einer Panikstörung, bestimmen vor allem Ängste und Sorgen das Leben, redet man von einer Angststörung, die durch starkes Grübeln, innere Unruhezustände und frei flottierende Ängste begleitet werden.
Angststörungen gibt es in vielen Facetten und Mischformen! Auf unserer Homepage wollen wir Sie über Grundsätzliches dieses Krankheitsbildes informieren.

Es gibt unterschiedlichste Formen von Angst:
Soziale Phobie (Angst vor anderen Menschen, Angst vor sozialer Kritik)
Agoraphobie (Angst, keinen Fluchtweg zu finden, Angst in der Falle zu stecken)
Hypochondrische Störung (Angst vor Krankheiten)
Generalisierte Angststörung (Angst vor allem, unkontrollierbare Sorgen)
Herzneurose (Angst vor schwerer Erkrankung des Herzens)
Posttraumatische Belastungsstörungen (Angst durch Erinnerung an ein Trauma)
Zwangsstörung (Angst, die durch Zwangsgedanken und/oder –handlungen Ausgleich findet)
Spezifische Phobien (Angst vor bestimmten Objekten, Situationen)
Angst vor der Angst (Erwartungsangst vor der nächsten Panikattacke)
Angstsymptome
Etwa 15-17% der Bevölkerung leidet unter krankhafter, behandlungsbedürftiger Angst.

Habe ich eventuell eine Angsterkrankung:
Folgende Fragen stammen aus dem Angstbuch von Borwin Bandelow und können Ihnen helfen
krankhafte Angst zu erkennen:
Denken Sie mindestens die Hälfte des Tages an ihre Ängste?
Haben Sie ihr Leben geändert um angstauslösende Situationen zu vermeiden?
Haben Sie versucht, die Angst mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln zu bekämpfen?
Haben Sie durch ihre Ängste Probleme in der Familie oder im Beruf?
Macht die anhaltende Angst Sie depressiv?
Haben Sie infolge der Angst Selbstmordgedanken?

Wenn Sie den überwiegenden Anteil der Fragen mit einem Ja beantwortet haben, leiden Sie unter einer Angststörung die in therapeutische Hände gehört!

Ursachen ungesunder Angst:
Panikattacken sind ein einschneidendes Erlebnis im Leben. Nichts ist mehr so, wie es vor der ersten Panik war. Angstzustände breiten sich eher schleichend aus. Aber in beiden Fällen wird das eigene Leben mittelfristig komplett anders. Die Leichtigkeit ist weg, man meint nie wieder glücklich sein zu können. Viele Patienten bangen um ihre Existenz, da sie nicht mehr in der Lage sind ihren alltäglichen Aufgaben nachzukommen. Arbeit, Auto fahren, Haushalt, alles kann zur Qual werden. Probleme in der Beziehung kommen hinzu und man fragt sich „warum ich?“

Die Ursachen der Angst sind so vielseitig wie unterschiedlich. Die Forschung findet immer mehr Hinweise darauf, dass biologische Faktoren eine große Rolle spielen. Diese genetische Disposition scheint eine Bedingung von vielen zu sein, dass es zum Ausbruch der Krankheit kommt. Hinzu kommen Faktoren wie die Persönlichkeit, Kindheit und Prägung, problematische Beziehungen, traumatische Erlebnisse, negativer Stress, Unsicherheit und Dauerbelastung.
Angst ist nichts, wofür man sich schämen muss. Nichts, woran man Schuld hat und vor allem kein Zeichen von Schwäche. Je mehr man sich mit der Erkrankung zurückzieht, umso mehr Teile unseres Lebens kann sie einnehmen.

Merkmale der Angst und Angstsymptome:
Die Angst, die innere Unruhe, die Daueranspannung…all das kann verschiedenste Ausdrucksformen haben. Jeder kennt Ausdrücke wie „das schlägt mir auf den Magen“ oder „die Luft bleibt einem Weg“ usw. Diese Sprichwörter haben ihren Ursprung. Neben einer Panikattacke, gibt es auch die Möglichkeit, dass die Angst sozusagen als Überlaufventil fungiert. Der innere Druck sucht sich seinen Weg – frei flottierende Ängste und ständige Anspannung drücken sich in körperlichen Phänomenen aus. Diese Angstsymptome können sein:
Atemprobleme unterschiedlichster Art (Atemkontrolle, das Gefühl, die Luft kommt nicht richtig an, das Gefühl Atemaussetzer zu haben)
Depersonalisation (das Gefühl, nicht wirklich da zu sein)
Derealisation (das Gefühl von Unwirklichkeit)
Kribbeln
Taubheitsgefühle
Durchfall
Engegefühl im Hals
Herzstolperer
Einschlafschwierigkeiten
Zittern
Kreislaufbeschwerden
Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren
Herzrasen
Schweißausbrüche
Frieren
Übelkeit
Magenschmerzen
Reizdarmsyndrom
Verstopfung
Aber auch seelische Symptom wie:
Gedächtnisschwierigkeiten
Wutausbrüche
Tränenausbrüche
Entscheidungsschwierigkeiten
Konzentrationsschwierigkeiten
Angst vor der Angst:
So entsetzlich, wie sich Panikattacken anfühlen, so kräfteraubend können auch all diese Symptome sein. Die Angst vor der Angst beginnt und beherrscht fortan alles. Deshalb setzt man alles daran, diese schrecklichen Empfindungen zu meiden und gerät in einen Kreislauf, der der Angst erstrecht den nötigen Platz bietet, sich im Leben auszubreiten. Die Angst bestimmt das Leben. Es beginnt eine ständige ängstliche Überprüfung der Körperfunktionen. Fühlt sich mein Herz normal an? Warum kribbelt es in meinen Händen? Das gemeine an diesem Kreislauf ist, dass durch die unglaubliche Anspannung das Vegetative Nervensystem auf Hochtouren läuft und dem Körper viele Impulse sendet, die wiederum fehlinterpretiert werden. Ein Teufelskreis beginnt. Man steht immer kurz vor der nächsten Panikattacke. Auch normale körperliche Reaktionen, wie schnelleres Herzklopfen, nachdem man Treppen gestiegen ist, werden fehlinterpretiert. Man fürchtet ständig die nächste Angstwelle.

Raus aus der Angstfalle:
Therapieformen
Als am erfolgreichsten gilt nach aktuellem Wissenschaftsstand eine Kombination aus Kognitiver Verhaltenstherapie und bei Bedarf ein ergänzender Einsatz von Antidepressiva.
Eine Mischung aus Ursachenforschung, Erkennen von belastenden Lebensumständen und das Erlernen des Umgangs mit der Angst, also ein aktives „Verlernen“ bzw. „Damit umgehen lernen“ setzen die Grundlage zur Verbesserung.
Leider können die Wartezeiten für Therapieplätze je nach Wohnort sehr lange sein. Es empfiehlt sich, bei mehreren Therapeuten nachzufragen und sich vormerken zu lassen. In unseren Links finden sie Verhaltenstherapeuten aus dem ganzen Bundesgebiet. Für akute Probleme empfiehlt sich in jedem Fall, eine ortsnahe Angstambulanz aufzusuchen.
Um die Zeit bis zum Therapiebeginn zu überbrücken, kann man sich, so weit man es möchte, von einem Psychiater ein Medikament verschreiben lassen. Hausärzte sind mit der Problematik der Angststörung leider immer noch nicht sehr gut vertraut. Der Psychiater wird sie kompetent über Antidepressiva beraten können.

Antidepressive Mittel der Gruppe SSRI oder SNRI, die auch nachweislich gegen Angst und Innere Unruhe wirksam sind, sind unter anderem: Cipralex, Citalopram, Paroxetin, Seroxat, Zoloft, Gladem, Trevilor.

Die Bedenken vor dem Einsatz von Antidepressiva sind unbegründet. Im Gegensatz zu den sogenannten Benzodiazepinen(Tavor, Lexotanil, Valium etc.) machen sie auch nach langer Einnahme nicht abhängig und werden in der Regel gut vertragen. Unerwünschte Nebenwirkungen können aber müssen nicht auftreten und sind unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, erhöhte Unruhe und Sehstörungen. Diese verflüchtigen sich jedoch nach einer gewissen Eingewöhnungsphase. Relevante und anhaltende Nebenwirkungen können sexuelle Funktionsstörungen sein, die aber reversibel sind. Bei manchen Stoffen wird ein Absetzphänomen diskutiert, weswegen ein langsames Ausschleichen dieser Medikamente empfohlen wird.
Außerdem finden auch ältere Antidepressiva wie Doxepin, Opipramol etc. noch heute Verwendung.

Auch Alternative Methoden haben sich in der Behandlung von Angst, Panik und Innerer Unruhe bewährt, auch wenn sie teilweise wissenschaftlich nicht bestätigt sind. Dennoch berichten Betroffene immer wieder über Linderung ihrer Symptome.
Ein viel genutztes Mittel sind Rescue-Tropfen nach der Bachblütenlehre. Akupunktur wurde als hilfreich empfunden. Auch Homöopathie hat viele Anhänger. Oft hilft es schon, scheinbar unwichtige Faktoren richtig zu erlernen, wie das „Richtige Atmen“, Muskelentspannung und eine gewisse Struktur, die einem Sicherheit gibt. Auch Methoden wie Positive Affirmationen oder Visualisierungen helfen so manchem. Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Meditation und Yoga sind bewährte Mittel, um der Angst entgegenzutreten.
All dies kann unterstützend sein und helfen, das Leben wieder genießen zu können. Dennoch halten wir es für wichtig darauf hinzuweisen, dass diese Methoden nur begleitend angewendet werden sollten und Menschen mit Angsterkrankung oder Panikstörung unbedingt professionelle Hilfe annehmen sollten. Je früher die Behandlung dieser Erkrankungen beginnt, umso größer ist die Chance auf vollständige Genesung. Ein verantwortungsvoller Alternativmediziner wird ihnen dasselbe raten.

Sport kann ihre Behandlung unterstützen und wird von Therapeuten und Ärzten mittlerweile bei Angst und Depressionen empfohlen.
Bei körperlicher Anstrengung reagiert der Körper nicht anders als während einer Panikattacke. Der Patient lernt, seinen Körper wieder objektiv wahrzunehmen. Außerdem vermutet man, das Training wirke sich positiv auf den Serotonin-Haushalt im Gehirn aus.
Wie bei allen anderen Erkrankungen auch, lohnt es sich, Stress zu meiden und den Körper fit zu halten. Ernähren sie sich ausgewogen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen und ihr Nervensystem zu stärken.

SOS bei akuten Panikattacken oder ein einer akuten Angstphase:
Das Wesentliche vorneweg: Die Angst kann Ihnen nichts anhaben!!! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man sich in akuten Attacken verhalten kann. Natürlich gilt wie immer kein Pauschalrezept.
Zulassen: Versuchen Sie, die Panikattacke zuzulassen. Sagen Sie sich immer wieder „Du kannst mir nichts anhaben, ich kenn Dich, gleich wirst Du wieder gehen…“ Die Panikwellen halten meist nicht lange an und werden abebben.
Ablenkung: Suchen Sie sich etwas, was sie tun können, wenn die Panik sich mal wieder anmeldet. Singen sie immer das gleiche Lied, Saugen Sie, nehmen Sie sich ein Kreuzworträtsel. Ziel ist, die Aufmerksamkeit, so schwer es auch ist, von der ansteigenden Panik abzulenken.
Aktives Erleben: Versuchen Sie, durch Bewegung die Panikattacke wegzuarbeiten. Beginnen Sie zu laufen, setzen Sie sich aufs Rad. So wird das ausgeschüttete Adrenalin abgebaut und sie lenken sich ab.
Atmung: Oft steigert sich eine Panikattacke durch falsches Atmen. Wer Angst hat, dem stockt der Atem. Versuchen Sie also, die Atmung bewusst ruhig zu halten. Atmen Sie langsam ein und aus. Achten Sie vor allem darauf, die gesamte Luft wieder auszuatmen. Nehmen Sie Ihre Hand und legen Sie sie bekräftigend auf Ihren Unterbauch, damit sie wissen, wohin geatmet werden sollte.
Konfrontieren/Provozieren: Sagen Sie der Angst „Ja! Dann komm doch!“. Oft ist es genau das, was, wenn es ernst gemeint ist und genug Wut dahinter steckt, die Angst und Panik praktisch auf der Stelle verpuffen lässt.
Rituale: Vielleicht hilft es Ihnen, sich etwas auszudenken, was sie in einer Panikattacke „beschützt“ – ein Handschmeichler, ein kleiner Talisman, den Sie von einer geliebten Person bekommen haben oder ein starkes Halsbonbon, das befreiend wirken kann. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass all diese Tipps lediglich Denkanstöße bieten und aufzeigen sollen, wie unterschiedlich Herangehensweisen sein können. Wer an einer Angst- oder Panikstörung leidet, eine ständige Innere Unruhe verspürt, traumatische Erlebnisse hinter sich hat, die Panikattacken und Angstsituationen auslösen usw. gehört IN JEDEM FALL in professionelle Hände. Nutzen Sie diese. Schämen Sie sich nicht. Wer eine Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes hat, schämt sich auch nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen!
Mit Hilfe von ärztlicher Unterstützung und Therapie können Sie lernen, sich Ihrer Angst zu stellen und die Kontrolle über ihre Gedanken zurückzuerlangen. Wir wünschen viel Erfolg und wissen, dass es gehen kann.

Selbsthilfe und Austausch mit Betroffenen:
Zu wissen, dass es viele andere Menschen gibt, die dieselben leidvollen Erfahrungen machen mussten und das Wissen darum, dass man nicht verrückt ist, kann helfen. Oft hat man im persönlichen Umfeld Menschen, die einem zwar helfen möchten, aber eben nicht um die schrecklichen Empfindungen der Krankheit wissen. Hier kann es unheimlich erleichternd sein, zu spüren, dass es Menschen gibt, die dies kennen.

Tauschen Sie sich mit Betroffenen aus! Erfahren sie, wie man trotz der Krankheit wieder ein lebenswertes Leben führen kann! Nutzen sie unsere Expertenecke! Freuen Sie sich über vermeintliche Kleinigkeiten, die Sie wieder tun können mit Menschen, die bestens wissen, dass es nicht selbstverständlich ist.
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